DIE KINDER DER TOTEN

Kelly Copper, Pavol Liska, AT, 2019
92 min., dt. OV
Spielfilm / Drama

Termine

24.04.2019 | 22:45
Saal
Elfriede Jelineks monumentaler, nach ihrer eigenen Aussage wichtigster Roman, Die Kinder der Toten als Vorlage für eine freie filmische Adaption an den Originalschauplätzen rund um die Kindheitsorte der Nobelpreisträgerin. Ein SUPER 8-Ferienfilm aus der Obersteiermark verwandelt sich schleichend in eine Auferstehung untoter Gespenster. Die Frage nach der (Un-)Möglichkeit einer adäquaten Aufarbeitung aufgehäufter Schuld durchzieht all jene Terrains – Natur, Kultur, Gesellschaft, Geschichte –, die in der Gegenwart immer noch nationale Identität stiften. Unser Geschmack heißt Österreich!
„Seien wir nicht gespalten wie der Vampir vom Pflock in sein Herz, seien wir in der Steiermark! Dort wollen wir gefunden werden.“ Elfriede Jelineks monumentaler Gespensterroman „Die Kinder der Toten“ diente als Vorlage, gedreht wurde an den Originalschauplätzen rund um Kindheitsorte der Nobelpreisträgerin in der Obersteiermark: Inszeniert vom Film-und Performance-Kollektiv Nature Theater of Oklahoma (Kelly Copper und Pavol Liska), produziert von Ulrich Seidl Filmproduktion in Kooperation mit steirischer herbst 2017 entwirft die filmische Adaption „Die Kinder der Toten“ ein grimmiges Heimat-Szenario voll schwarzem Witz.

Ein SUPER 8-Ferienfilm aus der Obersteiermark verwandelt sich schleichend in eine Auferstehung ,untoter‘ Gespenster: Eine Sekretärin und ewige Tochter sieht sich mit einer bösartigen Doppelgängerin konfrontiert und treibt ihre Übermutter in den Wahnsinn. Ein verbitterter Förster wird von seinen Söhnen verfolgt, die schon vor Jahren Selbstmord begangen haben. Eine Nazi-Witwe kreiert in einer alten Fabrik ein CINEMA 666, in dem die österreichische Vergangenheit hemmungslos beweint werden kann. Ausgelöst durch einen Busunfall in den Bergen suchen die Opfer der österreichischen und europäischen Geschichte das Land als Untote heim. Wie Jelineks Roman entfaltet sich die Verfilmung zu einer unheimlichen, phasenweise hochkomischen Herausforderung. Die Frage nach der (Un-)Möglichkeit einer adäquaten Aufarbeitung aufgehäufter Schuld durchzieht all jene Terrains, die in der Gegenwart immer noch nationaleIdentität stiften. „Unser Geschmack heißt Österreich!“

Zuletzt wurde das in über dreijähriger Vorbereitung entstandene Projekt „Die Kinder der Toten“ mit dem Nestroypreis (Kategorie Spezialpreis) ausgezeichnet.

„Kelly Copper und Pavol Liska gelingt ein Kunststück: Sie schaffen die Umwandlung von Jelineks deftiger Sprache in wogende Bilder, die ohne Gesprochenes auskommen, aber einen ähnlichen Eindruck wie die Worte der Dichterin hinterlassen.“APA, Stefan May

„Eine exzellente Musikkomödie mit B-Movie Qualität die dazu einlädt, über Österreichs Nazi-Vergangenheit ebenso nachzudenken wie über die sprunghaft ansteigende Fremdenfeindlichkeit von heute.“Cineuropa„ein albtraumhaft-zombieskes Anti-Märchen” taz

„Nazis, Nekrophilie, Inzest: Ein amerikanisches Regie-Duo adaptiert einen Jelinek-Roman, ohne ihn je gelesen zu haben. Das Ergebnis ist blödsinnig, ekelhaft und geschmacklos –und ein Heidenspaß.” critic.de„... ein wildes Ding, eine Mischung aus Orgien-Mysterien-Spiel, großer Trash-Oper und Schlingensiefs Das deutsche Kettensägenmassaker ... ‚Die Kinder der Toten‘(ist) ein deutliches Signal dafür, dass weder die Querköpfigkeit der Steirer noch die Widerstandskraft eines großen Teils der Filmindustrie gebrochen sind, wie Aktionen wie #KlappeAuf eindrucksvoll belegen. Diesen Kampf gilt es zu unterstützen.”Kino-Zeit„‚Die Kinder der Toten‘hat eine charmante punkig-chaotische Ästhetik, als hätte John Waters das Remake eines Ed Wood-Films in den österreichischen Bergen angesiedelt“anothergaze.com