DIE ARTISTEN IN DER ZIRKUSKUPPEL: RATLOS

Alexander Kluge, DE, 1968
103 min., dt. OV
Spielfilm
Mit den „Artisten“ gewann Alexander Kluge 1968 in Venedig den Goldenen Löwen - und folgte damit Rosi, Antonioni, Visconti, Pontecorvo und Buñuel nach, deren Filme sich im Vergleich wie der reinste Mainstream ausnehmen.
DIE ARTISTEN DER ZIRKUSKUPPEL: RATLOS lässt sich als eine Absage an das Leistungsprinzip unserer Gesellschaft verstehen und reflektiert gleichzeitig die politische Situation in der Bundesrepublik Deutschland in den späten 60er Jahren und die Lage der deutschen Jungfilmer. (Lexikon des internationalen Films)

INHALT: Der Artist Manfred Peickert will seinen Direktor zu einer noch nie dagewesenen Elefantennummer überreden, kommt aber zuvor durch einen Sturz vom Trapez ums Leben. Seine Tochter Leni beabsichtigt das neuartige Projekt in einem eigenen Reformzirkus doch noch zu verwirklichen. Sie berät sich mit ihrem Freund Dr. Busch, doch die Pläne scheitern an Geldmangel.

Als Leni jedoch ein Vermögen erbt, scheint das Projekt machbar zu sein. Doch je näher die Premiere rückt, desto unsicherer wird Leni. Schließlich liquidiert sie das Unternehmen und geht mit ihren Mitarbeitern zum Fernsehen.

    Eine raffinierte Montage, die zunächst verwirrende Verwendung des Tons, der von Szene zu Szene überlappt oder plötzlich asynchron wird, der Wechsel von Schwarz-Weiß-Aufnahmen und Farbbildern schaffen eine vibrierende Spannung, die den Zuschauer niemals in eine passive Konsumhaltung entläßt. Stets muß er das Geschehen kontrollieren, sich mit den Problemen einer Utopie auseinandersetzen, die an den Umständen scheitert, deren Scheitern aber in erster Linie gegen die Verhältnisse spricht, die veränderbar sind.“ Reclams Filmführer, 5. Auflage, 1982
 
    Alexander Kluges zweiter Spielfilm ist als Dialog mit dem Zuschauer konzipiert. Er besteht aus einer Fülle scheinbar unzusammenhängender Komplexe, Denkmodelle, Zitate, Anekdoten, die jeweils auf verschiedenen Ebenen und unter verschiedenen Aspekten das Thema, die Situation und Veränderung der Kunst reflektieren. Ein interessanter und schwieriger Film, der zur Auseinandersetzung herausfordert! Empfehlenswert ab 18. Evangelischer Filmbeobachter

- Auszeichnungen -

Internationale Filmfestspiele von Venedig 1968
Goldener Löwe

Filmbewertungsstelle Wiesbaden 1968
    Prädikat „besonders wertvoll“

    Bundesfilmpreis 1969
Filmband in Gold in der Kategorie „Abendfüllende Spielfilme“